Vor einiger Zeit habe ich mich – aus gesundheitlichen Gründen – (zwangsweise) dazu entschlossen, Bewegung zu machen und mich unter diese Gruppe von Menschen zu begeben, die ich bis dato für ein bisschen verrückt hielt. Absolute Zeitverschwendung, sinnloses Gehopse, bringt eh nix, viel zu anstrengend, usw. waren doch sehr schlagkräftige Argumente, um auf der Couch zu verweilen und zu beobachten, wie sich mein Körper schön langsam aber sicher dazu bereit machte, zukünftig tatkräftig die Pharmaindustrie zu unterstützen. Zum Glück schaffte ich es nach langem, verzweifelten Suchen nach bequemeren Alternativen, meinen Hintern in die Höhe zu bekommen. Zugegeben: Am Anfang sahen meine sportlichen Betätigungen (ich begann gemütlich mit Nordic Walking und ging dann auf’s Laufen über, später kam das Biken dazu) eher aus, wie pathologische Krampfattacken meines Körpers und ich kam mir auch echt blöd vor, wenn ich „Rund und (nicht ganz so) G’sund“ durch die Gegend watschelte, aber mit der Zeit wurde mir das ziemlich egal. Warum? Weil sich die ersten Erfolge doch schnell zeigten und ich bemerken musste, dass Bewegung richtig Spaß machen kann. Sogar meine Laune und generell meine psychische Verfassung besserten sich zunehmend. Natürlich spielte auch eine sinnvolle Ernährungsumstellung  (nach dem Prinzip der kPNI) eine wichtige Rolle dabei, aber das ist eine andere Geschichte. Mittlerweile bin ich stolze Besitzerin von 5 Paar Laufschuhe und 2 Bikes, welche ich auch regelmässig benutze (böse Zungen behaupten sogar, ich behandle meine Fahrräder wie Haustiere – na und? ;-))

Ich besitze allerdings auch tatsächlich ein Haustier  – und da bin ich mit Sicherheit nicht die Einzige – meinen inneren Schweinehund. Der kann sich ganz schön unangenehm bemerkbar machen! Anfangs waren es echte Kämpfe, die wir Zwei ausführten, aber mittlerweile habe ich mich mit ihm verbündet und wir kommen ganz gut miteinander klar. Trotzdem gibt es hin und wieder doch Momente, in denen er mir seine Macht über mich demonstrieren möchte und dann wird es echt schwierig! Tipps um dem ISCH zu entkommen, findet man in jeder Fitnesszeitschrift, im Internet, usw.  Ich habe sie auch selber immer wieder gelesen und mir gedacht: Sehr witzig! Gut gemeint, aber beeindruckt meinen ISCH überhaupt nicht!

Mit der Zeit habe ich meine eigenen „Techniken“ entwickelt und dabei herausgefunden, wie ich meine ISCH-Phasen erfolgreich – mit dem Ergebnis „Bewegung“ – überstehe:

1) Ich trage mir meine Bewegungseinheiten – egal ob Laufen, Biken oder auch „nur“ Stabi-Übungen im Vorhinein schon in meinen Kalender ein. Für mich sind das fixe Termine, die farblich markiert sind und auch tatsächlich zu 99% eingehalten werden (Ausnahmen gibt es immer – aber keine Ausreden!). Durch diese „Termine“ schaffen Sie sich eine Art „Verpflichtung“ sich selbst gegenüber. Und wenn man dann einmal ein paar Seiten zurückblättert, kann man sehen, wieviel man eigentlich gemacht hat und darf dann auch ruhig ein wenig stolz auf einen selbst sein.

2) Nüchtern bewegen ist für den Körper am effizientesten. Der Stoffwechsel kommt ordentlich in Schwung und auch den Fettzellen geht es ziemlich schnell an den Kragen. Aber in aller Früh sich schon bewegen, ist doch für viele eine ziemliche Herausforderung – war es auch für mich! Dafür gibt es nur 1 Lösung: Raus aus dem Bett und rein in die Trainingsklamotten! Ohne Zähneputzen, ohne Duschen, ohne Wenn und Aber! Und ganz ehrlich: Sportler, die auf 2km gegen den Wind schon nach Duschgel riechen und die weiblichen Konsorten vielleicht auch noch topgestylt mit Wimperntusche durch die Gegend hopsen, sind mir unheimlich! 😉 Das Schönste kommt immer zum Schluss: Eine herrliche entspannende Dusche! … und bis ich merke, dass ich was für mich getan habe, bin ich dann auch munter 😉

3) Und wie ist das nach der Arbeit? Oft kommt man müde und erschöpft nach Hause und hat einfach keine Lust auf Sport. Ich freue mich oft am Vormittag schon auf’s Radfahren und wenn ich dann am Nachhauseweg bin, ist diese Freude wie verflogen. Kennen Sie das auch? Da hilft nur eines: Nicht Denken! Nicht überlegen, ob man jetzt soll oder nicht! Einfach tun! Heimkommen, aus dem Auto raus, Wohnung aufsperren, Kleidung wechseln und los geht’s! Und ehe man es bemerkt, ist man auch schon unterwegs. 😉

4) Eine Stunde kann ganz schön lange sein. Vor allem, wenn es um Bewegung geht. Im Nachhinein gesehen natürlich nicht, aber wenn die Einheit noch vor einem liegt, kommt einem die Stunde unendlich vor. Ich trickse mich dann gerne selber aus, in dem ich mir sage: „ Komm, nur 10 Minuten, dann kannst du eh wieder umdrehen!“. Ätsch! Ich drehe nach 10 Minuten nicht um weil ich dann schon so mit Freude dabei bin, dass ich gar nicht mehr daran denke!

5) Oftmals liest man ja, dass Sport mit anderen zusammen motiviert und auch eine Art Verpflichtung schafft. Bei mir funktioniert das gar nicht! Ich bin lieber alleine mit dem Bike unterwegs und geniesse es auch, beim Laufen Musik zu hören und nicht quatschen zu müssen. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen – Radtouren mit Freunden sind schon extrem lässig! Ich hole mir meine Motivation von Vorbildern. Dabei muss es sich gar nicht um Profisportler handeln, aber es sollten doch Menschen sein, die sportlich gesehen schon ziemlich was drauf haben. Kleiner Vorteil: Ich kann mir da gute Tipps holen!

6) Gerade sehr präsent: Schlechtes Wetter! Kalt, nass, finster! Man mag einfach nicht raus! Bei mir kommt dann immer der alte Sager „Ich bin ja nicht aus Zucker“ zum Vorschein. Alt, aber gut! Wenn ich ein halbwegs funktionierendes Immunsystem habe, dann machen mir und meinem Körper die Wetterkapriolen nichts aus. Da beißt sich der Hund jetzt aber in den Schwanz: Viel Bewegung in frischer Luft stärkt das Immunsystem! 😉 Und: Beim Duschen nachher werde ich doch sowieso nass!

Zusammengefasst: Es ist alles Kopfsache! Oft ist es einfacher für uns Ausreden zu finden, als uns vor Augen zu halten, welchen Nutzen wir von der Sache hätten und dabei meine ich nicht nur sportliche Aktivitäten, sondern auch Alltagssituationen. Eine kleine Hilfe ist es, sich immer wieder zu fragen: Was habe ich davon, wenn ich es mache? Was habe ich davon, wenn ich es nicht mache? Bin ich bereit den Preis zu zahlen?

Ich habe den Preis gerne bezahlt, weil es dabei um das Wichtigste gegangen ist: meine Gesundheit. Entgegen Prophezeiungen, dass ich starke Tabletten mein Leben lang nehmen muss, nehme ich schon seit Monaten kein einziges Medikament mehr (natürlich nach ärztlicher Abklärung!). Ich habe meinen Lebensstil verändert und darf jeden Tag mit Freude feststellen, dass das die beste Entscheidung meines Lebens war! Veränderung darf Spass machen!